ohne warum keine sinnhaftigkeit

Ohne WARUM keine Sinnhaftigkeit

Machen Sie doch einmal den Test: Fragen Sie in Ihrem nächsten Meeting die anwesenden Führungskräfte nach dem übergeordneten WARUM Ihres Unternehmens. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie entweder in ratlose Gesichter blicken oder völlig unterschiedliche Antworten erhalten – von „Umsatz steigern“ bis „die Welt retten“.

Mit seinem TEDx-Beitrag „The Golden Circle“ im Jahr 2009 sprengte Simon Sinek fast alle Rekorde. Über 70 Millionen Menschen haben sich seinen Vortrag angesehen. Sein zentraler Satz hat unzählige Führungskräfte weltweit inspiriert: „Die meisten Firmen wissen, WAS sie tun, einige davon wissen, WIE sie es tun, aber nur wenige wissen, WARUM sie es tun. 

Meine Persönliche Sicht auf das WARUM

Es braucht kein künstlich aufgeblasenes WARUM, das wie eine auswendig gelernte Marketing-Floskel klingt. Aber es braucht ein WARUM im Sinne eines klaren Beitrags – eines übergeordneten Zwecks.

Es bedeutet, die Frage zu beantworten: Warum tun wir eigentlich, was wir tun? Nicht nur im Sinne von Umsatz oder reinen Produkten, sondern was treibt uns an? Welchen Beitrag leisten wir, und warum sollte das für andere bedeutsam sein?

Das WARUM steht für Geisteshaltung, Überzeugung und Bestimmung, die in einem Unternehmen täglich gelebt wird. Es ist oft schwer greifbar, weil es auf Gefühlen basiert und sich nicht in nackten Zahlen ausdrücken lässt. Umsatz oder Ertrag hingegen können wir messen und problemlos darüber diskutieren. Deshalb wenden wir uns im Geschäftsalltag vorwiegend den messbaren Dingen zu – und merken nicht, wenn die Motivation der Mitarbeiter sinkt und die Ausrichtung verloren geht.

Doch Menschen suchen einen Sinn in ihrer Arbeit. Ein Unternehmen, das lediglich sagt: „Wir bauen die besten Produkte und sind Marktführer“, ist auf dem Arbeitsmarkt weit weniger attraktiv als eines, das kommuniziert: „Wir schaffen Lösungen, die Menschen mehr Selbstbestimmung und Freiheit im Alltag ermöglichen“. Das WARUM dient als Magnet für neue Talente, als Sinnstifter im Arbeitsalltag und vor allem als interner Wegweiser für strategische Entscheidungen.

Die Grenzen des WARUM: Wenn das Leitbild lügt!

 Ein WARUM kann und darf niemals ein künstlicher Managementtrend sein, der von teuren Werbeagenturen übergestülpt wird. Wenn ein grundsolider, bodenständiger Mittelständler plötzlich auf seiner Website behauptet, sein übergeordneter Zweck sei es, „die Welt zu einem besseren Ort zu machen und die Zukunft der Menschheit zu gestalten“, wirkt das schlichtweg unglaubwürdig.

Studien zur Mitarbeitermotivation belegen: Nicht ein abstraktes, hochtrabendes Unternehmens-WARUM motiviert die Belegschaft, sondern das konkrete Erleben, dass die eigene Arbeit einen echten Beitrag für andere leistet. Für den Mitarbeiter an der Maschine oder im Service ist es weitaus motivierender zu wissen, dass seine Sorgfalt dafür sorgt, dass das Endprodukt fehlerfrei funktioniert und dem Kunden wirklich nützt, als ein künstliches Leitbild an der Wand.

Randbemerkung: Wenn Sie verlässlich wissen möchten, was ein Unternehmen in der Praxis nicht kann, dann lesen Sie sich einfach sein hochglanzpoliertes Leitbild durch.

Womit Simon Sinek in meinen Augen falsch liegt

„Menschen kaufen nicht, WAS Hersteller produzieren, sondern WARUM sie es produzieren.“ – So lautet Simon Sineks berühmtes Mantra.

Ich denke, dass diese pauschale Aussage nicht korrekt ist. Weltbekannte Marken wie Harley-Davidson, Apple, Nike, Rolex oder Ferrari haben ihren Bekanntheitsgrad durch jahrzehntelange, brillante Werbung erreicht – und durch ihre Geschichte. Diese Marken verkörpern Freiheit, Rebellion, Innovation, Erfolg, Status oder Zeitlosigkeit. Dies wurde in die Köpfe von Generationen hineingehämmert.

Wenn ein Unternehmen es schafft, dass sich die Kunden den Markennamen freiwillig auf den Körper tätowieren lassen, dann ist ein grosses Ziel erreicht – siehe Harley-Davidson. In solchen Sphären spielen Qualität und Preis plötzlich eine untergeordnete Rolle.

Aber welcher normale KMU-Betrieb kann das schon schaffen, wenn es nicht einmal die Grossen der Branche hinbekommen?

Zudem gilt die eiserne Regel: Ein noch so grossartiges „Warum“ rettet kein schlechtes Produkt. In den meisten alltäglichen Konsumsituationen kaufen Menschen Produkte, weil sie schlichtweg funktionieren, bequem sind, ein akutes Problem lösen oder einen bestimmten Status verleihen – völlig unabhängig davon, ob das Unternehmen dahinter die Welt retten will oder einfach nur ehrliches Geld verdienen möchte.

Fazit: Geben Sie Ihrem Unternehmen einen Wegweiser

Geben Sie sich, Ihrem Unternehmen und Ihren Mitarbeitern einen klaren Wegweiser – ein echtes WARUM. Dieser Samen bildet das Fundament für die Zukunft Ihres Unternehmens und schafft die Sinnhaftigkeit für eine erfolgreiche Ausrichtung und Fokussierung aller internen Anstrengungen. Es ist ein starkes Marketing- und Führungsinstrument, solange es authentisch bleibt.

Wenn Sie weitere Einblicke und Perspektiven lesen möchten, finden Sie alle Beiträge in unserer Übersicht.

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