Warum interne Propaganda Unternehmen lähmt

Der Irrglaube der Vorhersehbarkeit: Warum Budgets Fiktion sind

Die Macht der Wiederholung: Warum interne Propaganda Unternehmen lähmt

 

Der Slogan-Test: Wie Wiederholung unser Bewusstsein formt

Da gibt es die Welt – also die Wirklichkeit – und da gibt es unsere individuelle Wahrnehmung. Dazwischen liegt die Macht der gezielten Beeinflussung. Um zu verstehen, wie stark unser Gehirn auf ständige Wiederholungen reagiert, machen Sie bitte einen kurzen Test.

Komplettieren Sie die ersten beiden Sätze und ordnen Sie die anderen Slogans einer Marke zu:

  • Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greif lieber zu …
  • Haribo macht Kinder froh …
  • Freude am Fahren
  • Wir machen den Weg frei
  • Geiz ist geil
  • Ich bin doch nicht blöd!
  • Weil ich es mir wert bin
  • Praktisch. Gut.
  • Just do it
  • Vorsprung durch Technik
  • Wohnst du noch oder lebst du schon?
  • Nur echt mit 52 Zähnen
  • Sie baden gerade Ihre Hände drin
  • Da weiss man, was man hat
  • Nichts ist unmöglich

Woher wissen Sie das alles? Niemand hat Ihnen diese Sätze je beigebracht. Und trotzdem kommen Ihnen die Marken in den Sinn – und trotzdem können Sie den angefangenen Satz mühelos zu Ende formulieren – als wäre er schon immer ein Teil von Ihnen gewesen.

Sie wissen es aus einem einzigen Grund: Ständige, jahrelange Wiederholung.

Die klassische Definition von Propaganda oder Public Relations ist simpel: Das andauernde, regelmässige und fortwährende Wiederholen von Aussagen mit dem Ziel, das Bewusstsein zu beeinflussen. Ob die Aussage dabei die absolute Wahrheit abbildet oder nur einen gewünschten Ausschnitt, ist zweitrangig. Das Gehirn akzeptiert, was es oft genug hört.

Die Propaganda im Unternehmensalltag

Was im Marketing hervorragend funktioniert, wird in Unternehmen oft zur gefährlichen Falle.

Auch in Organisationen gibt es eine Form der internen «Propaganda» – Narrative und Glaubenssätze, die so oft wiederholt werden, bis sie niemand mehr hinterfragt. Diese internen Slogans klingen dann beispielsweise so:

«Das haben wir schon immer so gemacht.»

«Der Markt ist momentan einfach extrem schwierig.»

«Wir kommunizieren offen und auf Augenhöhe.»

«Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.»

«Unser Problem ist rein technischer Natur.»

Wenn das Managementteam immer wieder dieselben Erklärungen für stockende Projekte, hohe Fluktuation oder sinkende Margen wiederholt, werden diese Narrative zur unumstösslichen Wahrheit. Die Mitarbeitenden übernehmen die Erklärungen unbewusst. Die Folge: Die eigentlichen Ursachen geraten aus dem Blickfeld.

Wenn das Narrativ die Realität verdeckt

Diese interne Beeinflussung geschieht selten aus böser Absicht. Meist ist es ein unbewusster Schutzmechanismus des Systems. Es ist wesentlich einfacher, das Mantra vom «schwierigen Marktumfeld» zu wiederholen, als sich einzugestehen, dass die eigene Entscheidungskultur dysfunktional ist oder dass ein schwelender Konflikt zwischen zwei Abteilungen das ganze Unternehmen blockiert.

Genau hier liegt die Gefahr: Wer der unternehmensinternen «Propaganda» unterliegt, verliert den Kontakt zur Realität. Massnahmen werden auf Basis von Illusionen getroffen. Es werden neue Software-Tools eingeführt, obwohl das Problem in der Führungskultur liegt. Es werden Umstrukturierungen vorgenommen, obwohl die wahren Blockaden in den unausgesprochenen Spannungen zwischen den Schlüsselpersonen liegen.

Das Narrativ durchbrechen

Um ein Unternehmen aus dem Leerlauf zu befreien, muss man aufhören, die immer gleichen Erklärungen zu wiederholen. Es braucht den Mut, die internen Glaubenssätze zu hinterfragen und hinter die Kulissen zu schauen.

Während viele Beratungen die bekannten Antworten bestätigen, fragt aligno anders: Was steckt wirklich hinter den immer gleichen Erklärungen?  Manchmal ist die Antwort überraschend. Manchmal ist sie unbequem. Aber sie ist immer ehrlicher als die Erklärung, die man sich angewöhnt hat zu wiederholen.

Manchmal lohnt es sich zu fragen: Welche Slogans wiederholen wir in unserem Unternehmen – und seit wann hinterfragt sie niemand mehr?

Wenn Sie weitere Einblicke und Perspektiven lesen möchten, finden Sie alle Beiträge in unserer Übersicht.

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